Die Geschichte des RFV Vornholz

Freiherr von Nagel-Doornick und Stall Vornholz

Eine von vielen beliebten Sehenswürdigkeiten im Münsterland ist das Haus Vornholz. Das 340 Jahre alte Wasserschloss am Ortsrand von Ostenfelde ist noch heute im Privatbesitz der Familie von Nagel. Dass hier die Wiege des deutschen Turniersports der Nachkriegszeit mit bedeutenden Pferden und Reitern steht, wissen nur die Wenigsten. Seinerzeit, als Deutschland in Trümmern lag, entwickelte sich in der Abgeschiedenheit westfälischer Ländlichkeit das, was im nachhinein als "Wunder von Vornholz" in die Geschichte eingegangen ist.

Olympiavorbereitung 1950 in Vornholz

Historisches Plakat - Springturnier 1948

Bereits im Herbst des Jahres 1947 lud Clemens Freiherr von Nagel-Doornick zum ersten Turnier nach dem Krieg nach Vornholz ein. Dank seiner Überredungskunst war es ihm gelungen, die Erlaubnis von den britischen Besetzern für die Großveranstaltung zu erhalten. Mit achttausend Zuschauern hatte man gerechnet, es kamen jedoch über Zwanzigtausend. Aus dem europäischen - ehemals feindlichen Ausland - kamen sie angereist. Der Ort wurde überrannt von Menschen, die bei der ersten Turnierveranstaltung seit 1939 dabei sein wollten. Englische, holländische, belgische, französische, deutsche Reiter und Richter ritten und richteten erstmals wieder zusammen wie in Jahrzehnten zuvor. Dieses und die folgenden, regelmäßig abgehaltenen Vornholzer Turniere waren nach den olympischen Medaillen von 1936 die Wiedergeburt des deutschen Turniersports.

Ramzes v. Rittersporn xx a.d. Shagya x-3

Die Erfolge des Ausbildungsstalles Vornholz setzten sich fort bis zu ihrem vorläufigen Höhepunkt: Olympische Spiele 1952 in Helsinki. Die erste internationale Teilnahme deutscher Reiter nach dem Krieg. Die Dressurmannschaft mit Fritz Thiedemann, der auch im Springen startete, Ida Freiin von Nagel, der Schwester des Schlossherrn und Heinz Pollay gewann die Bronzemedaille. Und alle drei Pferde waren in Vornholz gezogen. Den berühmten Vornholzer Schimmel "Ramzes", einen Anglo-Araber aus dem Landgestüt Janow-Podlaski, erwarb Freiherr von Nagel im Jahr 1948 von einem polnischen Offizier. Mit H. H. Brinkmann ging er erfolgreich in Springprüfungen, bis er nach einem Fesselbeinbruch, den er drei Monate lang in einer Matte hängend auskurierte, ausschließlich für die Zucht eingesetzt wurde. Bemerkenswert war, dass "Ramzes" sowohl überragende Spring- als auch Dressurpferde zeugte. Sein 1951 geborener Sohn "Radetzky" wurde in Warendorf zum legendären Stempelhengst, dessen Nachkommen noch heute in den Siegerlisten zu finden sind. Auf den Ländereien des Hauses Vornholz ist ein Golfplatz entstanden. Die schönen Stallungen der Vorburg mit dem Schmuck Delfter Kacheln, in denen einst Ramzes stand, sind leer. Betrachtet man Wirken und Erfolg dieses Privatgestüts, so kann man wirklich einmalig sagen. Leider verstarb der Schöpfer dieser Zucht 1977. Pferde stehen in Ostenfelde immer noch im Mittelpunkt. In der Folgezeit entstand der RV Vornholz (1973). Ein Pächter züchtet am Schloss mit den übernommenen Stuten von Clemens von Nagel und der alten Vornholzer Linien weiter.

Einmal im Jahr rückt das Schloss Vornholz ins Rampenlicht der Jagdreiterei. Im August zu Beginn der Schleppjagdsaison finden sich die westfälischen Jagdreiter auf Schloss Vornholz ein, um die alljährliche Schleppjagd hinter den irischen Foxhounds der Warendorfer Meute zu reiten. In märchenhaftem Ambiente gewinnt ein Stelldichein besonderen Reiz. Einer großen Freilichtbühne gleich sind die Akteure einerseits sein eigenes Publikum und andererseits Darsteller, denen angesichts der selbst produzierten Bilder auf den edlen Rössern das Herz aufgeht. Was die Vornholzer Jagd auszeichnet ist die Herzlichkeit der gastgebenden Mitglieder der Reitervereine Vornholz und Ostenfelde-Westkirchen. Stelldichein und Bewirtung sind geprägt von ausgesprochener Gastlichkeit: Von wegen Bier aus der Pulle - da wird beim Zwischenstopp wie selbstverständlich ein guter Rotwein in Weingläsern gereicht! Nicht vornehm, sondern stilvoll. Eine ansprechende Jagdstrecke unter Berücksichtigung des Bodens bei eventuell schlechtem Wetter auszuwählen und dafür die Zusagen der Grundstückseigentümer zum Durchreiten ihrer Wiesen und Wälder zu bekommen, ist nur noch dank engagierter Vereinsmitglieder zu schaffen und verdient uneingeschränkte Bewunderung. Und wenn die Warendorfer Meute aus Telgte mit über zwanzig Koppeln Foxhounds zur traditionsreichen Schleppjagd Einzug hält, stehen zahlreiche Ostenfelder Fahrer mit ihren schicken Gespannen für den stilgerechten Transport der Zuschauer bereit, was der fantastischen Atmosphäre auf der Schlosswiese den letzten Pfiff gibt. Zum Schluss präsentiert sich den Reitern und Zuschauern der wunderschöne Rittersaal bzw. der Schlosshof, wo der Tag bei ordentlich westfälischer Küche und sogar Musik und Tanz ausklingt.

Die Entwicklung des Vereins

Unter dem Namen Reiterverein Vornholz siedelte sich 1973 der neu gegründete Verein auf Vornholzer Grund und Boden - unweit des Schlosses Vornholz und unweit des alten Turnierplatzes - an. Erfolg war schon damals die Visitenkarte: In den 70er und 80er Jahren machte Julius Schulze-Hesselmann als Nationrenpreis- und Kaderreiter internationale Karriere im Springsport. In den 80er Jahren markierten die Ponymannschafts-Europameisterin Britt Wagner und die mehrfache Teilnehmerin an Landes- und Deutschen Meisterschaften, Barbara Weber, den Dressur-Gegenpohl. In der Vielseitigkeit ist Frank Ostholt hocherfolgreich unterwegs. Mehrfacher Teilnehmer an Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften,  Goldmedaliengewinner mit der Mannschaft 2006 und 2008 sind die wichtigsten Erfolge seiner Karriere.
Die stets wachsende Reitanlage inmitten eines wunderschönen, ländlich geprägten Geländes, zog immer mehr Mitglieder und hochkarätige Turnierveranstaltungen an. Neben den traditionsreichen Vornholzer Pfingstturnieren waren die dreimalige Ausrichtung der Westfälischen Meisterschaften und die einmalige Ausrichtung des Bundeschampionates die bisherigen Höhepunkte als Turnierveranstalter. Ende der 90er Jahre wurde die Anlage um eine zweite Reithalle erweitert: Nun umfasst sie eine Reithalle mit den Maßen 20 x 40 m, eine Reithalle mit den Maßen 20 x 60 m, zwei Dressurvierecke 20 x 60 m, einen Turnierplatz 80 x 120 m, zwei Trainingsplätze auf Sand, ein Trainingsplatz auf Gras, 30 Pferdeboxen, mehrere Koppeln und ein sehr schönes Reitercasino mit Blick in beide Reithallen. Wegen des großen Zulaufs an Gespannfahrern, die gerne die großzügigen Vereinsanlagen und das weitläufige Gelände ringsherum nutzen, wurde der Reiterverein Vornhoz im Jahre 2002 umbenannt in Reit- und Fahrverein Vornholz.

 
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